Naturschutz beginnt vor der eigenen Haustüre
Naturnahe Gärten helfen einheimischen Tieren und Pflanzen

Nicht nur in der freien Natur, auch in Gärten leben viele Säugetiere und Vögel und ziehen dort ihre Jungen groß. Daher sollten Gartenbesitzer in den kommenden Monaten vor Pflegeschnitten darauf achten, ob in der Hecke oder den Büschen eventuell Vögel brüten oder Tiere leben. Falls ja, ist es besser, mit den Arbeiten bis zum Flügge- oder dem Selbstständig werden der Jungen zu warten. Die Tiereltern werden es dem umsichtigen Naturfreund sicher danken. Größere Rückschnitte von Bäumen, Hecken, Büschen, Uferbereichen oder altem Efeu im Stadtgebiet und außerhalb von Wäldern verbietet das Bundesnaturschutzgesetz in dieser Zeit ebenfalls. Diese sind nur zwischen dem 1. Oktober und 28. Februar erlaubt.
Auch eine naturgerechte Bewirtschaftung und der Verzicht auf Gifte helfen Mutter Natur und führen zu einem Artenreichtum bei Kleintieren und Wildkräutern. Völlig unberührte Naturecken und spezielle Lebensraumangebote wie Holz-, Reisig-, Laub- und Steinhaufen, Trockenmauern, Schmetterlingswiesen und offene Lehmstellen bieten weiteren Spezialisten Nahrung und Unterschlupf. Komplettiert wird das Ensemble mit Nistkästen und -hilfen für Vögel, Fledermäuse, Hummeln und Ohrwürmern.
Gartenbesitzer sollten also ruhig etwas „unordentlich“ sein und auch mal Laub liegen lassen, damit sich beispielsweise unser Igel bedienen kann. In solchen Gartenparadiesen findet er auch gut Nahrung wie Engerlinge, Würmer, Käfer oder Raupen und über eine Schale mit frischen Wasser freuen sich Igel und viele andere Gartenbewohner ebenfalls.
Neben Igeln, Vögeln, Spitzmäusen, Kröten und Fröschen stellen Insekten und ihre Larven die größte Gruppe von Nützlingen im Garten dar. Um diese an ihn zu binden, brauchen sie Lebensräume, in denen sie sich wohlfühlen: In Hecken aus Sträuchern und Kräutern finden Vögel Verstecke und Nistplätze. Auch für Igel, Kröten, Frösche, Eidechsen und Spitzmäusen bieten sie Unterschlupf und Überwinterungsmöglichkeiten. Totholzhaufen aus Reisig, Laub, Wurzeln, Ast- und Stammstücken und/oder lose geschichtete Steinhaufen mit unterschiedlich großen Hohlräumen schaffen Lebensräume.
Für Schwebfliegen, Florfliegen und Holzbienen können die Gärtner Brutröhren bauen: Hierzu bündelt man hohle Stängel, beispielsweise von Holunder und Schilf, oder bohrt unterschiedlich dicke Löcher in Holzblöcke und hängt diese, an sonnigen und windgeschützten Stellen, auf.
Die immer mehr zunehmende Einzäunung von Gärten und Grundstücken mit Stabgitterzäunen oder Mauern ist jedoch für die Tiere ein großes Hindernis. Konnten sie sich früher durch flexiblen Maschendraht durchdrücken, ist das bei festen Zäunen unmöglich. So werden Fluchtwege abgeschnitten, Lebensräume gehen verloren und die nächtliche Wanderung der Tiere behindert. Sinnvoll ist es, beim Zaunbau darauf zu achten, dass bodennahe Öffnungen verbleiben oder auf die unterste Reihe von Zaunlatten zu verzichten. Auch sollten scharfkantigen Zaunreste vermieden werden, die Verletzungen führen können.
Wer einen naturnahen Garten liebt, der sollte alte Obstsorten, heimische und standortgerechte Bäume, Sträucher und Stauden pflanzen. Auch eine Wasserfläche gehört dazu, genauso wie eine Ecke mit Wildkräutern (zum Beispiel die Brennnessel), die gute Futterpflanzen für zahlreiche Schmetterlingsraupen sind. Komposthaufen oder Schnellkomposter liefern wertvollen Humus und in Tonnen und Zisternen gesammeltes Regenwasser ist für die Bewohner des Gartens auch besser als teures Trinkwasser aus der Wasserleitung. Und last but not least: Gartenbesitzer sollten Wege- und Platzflächen mit ansprechenden, natürlichen Belägen anlegen, damit ein Großteil der Niederschläge auf ihrem Grundstück versickern kann.