Lesen, lernen oder sich einfach wohlfühlen

Stadtbücherei: Ausleih-Rekord bei Kinder- und Jugendbüchern

Seit Kindertagen besucht Luise Dunzendorfer die Langener Stadtbücherei und leiht sich ihre Lieblingsbücher aus. Jetzt kurz vor ihrem Abitur nutzt sie die Räumlichkeiten, um regelmäßig in Ruhe zu lernen. (Foto: Michael Schmidt)

In der Kinderbuch-Abteilung der Langener Stadtbücherei sitzt Elisabeth Roth-Karl mit ihrem vierjährigen Enkel Émile an einem kleinen Tisch. Vor ihnen liegt ein Bilderbuch von der Olchie-Familie, daneben eines mit dem Feuerwehrmann Sam. „Wir haben eine dicke Tasche mit Bücherrückgaben mitgebracht und nehmen auch wieder eine große voller neuer Bücher mit“, sagt sie über ihre Ausleihgewohnheiten. In der Kinderbuchabteilung ist an diesem Tag viel Betrieb. Und das ist nicht nur heute so, wo zahlreiche Mädchen und Jungen schmökernd in Sesseln sitzen oder sich gemeinsam mit ihren Eltern Bücher ansehen und lesen, Hörbücher anhören oder Spiele spielen. Das zeigt sich auch an den gestiegenen Ausleihzahlen. Bei den Kinder- und Jugendbüchern ist für 2024 ein deutliches Plus von 3,6 Prozent im Verhältnis zum Vorjahr zu verzeichnen. Mit insgesamt 52.779 Ausleihen ist das die bisher höchste Zahl in diesem Segment in der Geschichte der Stadtbücherei Langen.

Allyson Obermeier, die neue Leiterin der Kinder- und Jugendbücherei, findet: „Die Stadtbücherei ist für die Familien in Langen einer der zentralen Orte zur Literaturversorgung. Das gilt sowohl für die beliebten Bilder- und Kinderbücher als auch für die Kinder- und Jugendsachbücher. Die Stadtbücherei wird so ihrer wichtigen Aufgabe gerecht, das Lesen zu fördern.“

Auch Elisabeth Roth-Karl, die gerade mit dem kleinen Émile darüber nachdenkt, welches Buch sie jetzt vorlesen soll, ist überzeugt vom Angebot der Stadtbücherei: „Es ist toll, dass es das gibt“, sagt sie. Neben Kinderbüchern nimmt sie auch regelmäßig zwei Tonie-Figuren für Hörspiele mit. Auszuleihen sei für sie auch eine „Nachhaltigkeitsfrage“. Wer könne schon all die Bücher kaufen. „Einmal im Monat bin ich hier. Ich denke, es ist ganz wichtig, die Kinder ans Buch heranzuführen“, so Elisabeth Roth-Karl.

Bei den Medien-Ausleihen vollzieht sich derweil ein Wandel. Weiterhin sehr stark ausgeliehen wurden im vergangenen Jahr die Tonie-Figuren und Konsolenspiele. Die Gesamtausleihzahl aller Medien ging allerdings um zwei Prozent auf 162.166 Ausleihen zurück. Allyson Obermeier dazu: „Mit den Tonies und den Konsolenspielen bieten wir den Familien in Langen einen sehr zeitgemäßen und beliebten Medienbestand an. Allerdings zeigen die starken Ausleihrückgänge bei den CD-Hörspielen und DVD-Filmen, dass diese Medien in den Haushalten nicht mehr aktuell sind.“

Der Lesetempel an der Südlichen Ringstraße ist inzwischen mehr als nur ein Ort zum Ausleihen. Manche Menschen wie Luise Dunzendorfer verbringen dort viel Zeit. Luise ist 18 Jahre alt und steht vor dem Abitur. Sie arbeitet gerade an Aufgaben für den Religionsunterricht. „Ich komme wegen der entspannten Atmosphäre hierher. Es gibt keine große Ablenkung. Hier lernen auch andere Leute und man hat deshalb das Gefühl, selbst lernen zu müssen“, sagt sie. Auch die WLAN-Verbindung sei besser als die der Schule. Für Luise ist die Bücherei nichts Neues: „Ich bin schon mit meinen Eltern hier gewesen, als ich noch gar nicht selbst lesen konnte. Da bekam ich vorgelesen“, erinnert sie sich. Seitdem habe sie regelmäßig die Angebote der Stadtbücherei genutzt. Privat lese sie Romane, klassische Literatur und Sachbücher. „Die haben hier eine sehr gute Auswahl“, findet Luise.  

Thomas Mertin, Leiter der Langener Stadtbücherei, weiß um den besonderen Wert seiner Einrichtung für die Kommune. Er sagt: „Hier haben unsere Nutzer einen großzügigen und attraktiven Ort, um zu lesen, zu lernen und sich zu treffen. Dieser ist für die Langener Bevölkerung immens wichtig.“ Auch die Besucherzahl von 2024 ist ein Indiz dafür. Sie ist um 9,8 Prozent auf 51.562 Besuche gestiegen, auch wenn die Öffnungszeiten 2024 reduziert werden mussten.

Nicht alle Menschen haben einen eigenen Computer, einen Internetanschluss oder Drucker zu Hause. In der Stadtbücherei werden sie fündig. Thomas Mertin konnte das Angebot sogar weiter ausbauen: „Im vergangenen Jahr hat die Stadtbücherei mit finanziellen Fördermitteln des Landes Hessen zwei zusätzliche MS-Office-PCs angeschafft, damit die große Nachfrage danach noch besser erfüllt werden kann“, sagt er. Bei 638 Sitzungen wurden an den MS-Office-PCs von Schülern der höheren Jahrgangsstufen Power-Point-Präsentationen angefertigt, Bewerbungen und Berichtshefte für Schulpraktika oder auch Referate geschrieben und ausgedruckt.

All die vielen Angebote sind nicht möglich ohne das Büchereiteam, zu dem immer mehr ehrenamtliche Helferinnen und Helfer gehören. Inzwischen helfen 19 von ihnen bei der täglichen Regalordnung, der technischen Medienbearbeitung, an der Ausleihtheke und beim Angebot von Kinderveranstaltungen mit. Außerdem erhielt die Bibliothek 691 neuwertige Mediengeschenke von Privatpersonen aus Langen, die etwa ein Viertel aller Neuanschaffungen ausmachten und sehr stark nachgefragt wurden. Thomas Mertin freut sich über diese Hilfe: „Die große ehrenamtliche Unterstützung bei der Büchereiarbeit und beim modernen Ausbau unseres Medienbestands ist eine sehr große Bereicherung für die vielen Nutzer. Wir als Team der Stadtbücherei sind dafür überaus dankbar.“

Insgesamt besaßen 11.278 Menschen im Jahr 2024 einen Büchereiausweis der Stadtbücherei, darunter waren auch 921 Neuanmeldungen. Ein jahrelanger Stammgast ist Eliane Wohlfart. Sehr oft sitzt die 87-Jährige zeitungslesend auf einem bequemen Sessel neben den langen Bücherregalen. „Ich bin schon als Kind immer wieder in einer Bücherei gewesen“, sagt sie. Ein- bis dreimal die Woche sei sie in der Langener Stadtbücherei. „Es ist ruhig, weitläufig, hell und das Personal ist sehr freundlich“, sagt sie. Kurz: Hierher zu kommen lohne sich für sie. Wenn sie die Bücherei betrete, spähe sie schon nach ihrem angestammten Sitzplatz. Und sie freue sich dann sehr, dass auch heute noch so viele Familien mit Kindern diesen Lesetempel besuchen. Die Stadtbücherei, irgendwie ein zweites Zuhause für Jung und Alt.

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